Physiotherpie: Ein weites Feld

Fango, Kneipp und Massage - das fällt den meisten Menschen spontan ein, wenn es um Physiotherapie oder Physikalische Therapie geht. Manche denken dann vielleicht noch an die Krankengymnastik. Dabei hat die Physiotherapie viel mehr zu bieten.

Die erste Verwirrung taucht schon beim Begriff auf: Was unterscheidet die Physiotherapie von der Physikalischen Therapie? Dazu gibt es verschiedene Meinungen. Während die einen von Physikalischer Therapie und Physiotherapie in einem Atemzug sprechen und damit auch dasselbe meinen, machen andere wiederum einen Unterschied. Selbst der Gesetzgeber ist sich nicht ganz schlüssig: Einerseits spricht er von einem "Physiotherapeutengesetz", andererseits sagt er an anderer Stelle "Physikalische Therapie".

Manchmal ist auch vom Beruf abhängig, welchem Begriff der Vorzug gegeben wird: Mediziner sprechen oft von der Physikalischen Therapie, Physiotherapeuten und Masseure dagegen eher von der Physiotherapie. Krankengymnasten und weiterqualifizierte Masseure nennen sich Physiotherapeuten, Ärzte können "Facharzt für Physikalische Medizin" sein oder die Zusatzbezeichnung "Physikalische Therapie" tragen. Die Physikalische Therapie wiederum ist Teil der Physikalischen Medizin.

Viele Erfolge der Medizin in der Praxis, in Krankenhäusern und in der Rehabilitation sind ohne die Physiotherapie nicht denkbar. Vorrangige Ziele sind die Schmerzbehandlung und die Beseitigung von Funktionsdefiziten. Dabei geht es nicht immer nur um den Bewegungsapparat - obwohl dessen Erkrankungen aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung natürlich vorherrschen - auch Nerven-, Herz- und Gefäß-, Stoffwechsel- oder Atemwegserkrankungen sind mit der Physiotherapie günstig zu beeinflussen.

Und was oft vergessen wird: Die Physiotherapie ist nicht nur ein Mittel, um wiederherzustellen bzw. zu heilen. Sie eignet sich auch im besonderen Maße dafür, bei einmal erkannter Gefährdung oder Anfälligkeit vorbeugend tätig zu werden. Liegen schon Störungen der Körperfunktion vor, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, kann die Physiotherapie Bewältigungsprozesse in Gang setzen.

Folglich liegen die drei Einsatzgebiete der Physiotherapie in der

Prävention (Vorbeugung): Vorbeugung der Entstehung von Erkrankungen (so genannte Primär- oder Erstprävention) oder der Vorbeugung der Wiederkehr einer gleichartigen Erkrankung (so genannte Zweit- oder Sekundärprävention).

Therapie (Behandlung): Früh- und Langzeitbehandlung akuter und chronischer Erkrankungen, unterstützend zu anderen Behandlungsmaßnahmen bei akuten Erkrankungen. Verbesserung der Lebensqualität in höherem Alter.

Rehabilitation: Maßnahmen zur Wiederherstellung von Fähigkeiten, die es ermöglichen, trotz körperlicher Beeinträchtigungen am täglichen Leben teilzunehmen. Ausgleichen oder Mindern von Funktionseinbußen, Verbesserung der Lebensqualität etc.

Die Physiotherapie ist dabei eine zentrale Behandlungsform. Sie ist in jedem Lebensalter möglich und bei vielen Leiden sogar effektiver als die medikamentöse Behandlung. Doch obwohl sie den natürlichen Wirkprinzipien verpflichtet ist, so müssen ihre Methoden doch fachkundig ausgewählt und angewendet werden. Die verkehrte Methode zur falschen Zeit und womöglich auch noch in den falschen Händen kann durchaus unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen. Die richtige Auswahl der für den jeweiligen Zweck am besten geeigneten Methode ist eine Kunst, die in entsprechend fachkundige Hände gehört.